Seitdem ich Anfang 20 war, wollte ich unbedingt den Kilimanjaro besteigen. Ich kann gar nicht sagen, warum, aber dieser Berg hat mich einfach magisch angezogen. Und da man Träume nicht ewig aufschieben sollte, habe ich Anfang letzten Jahres beschlossen, mir diesen Herzenswunsch nun endlich zu erfüllen. 10 Monate Planung und intensive Trainingsvorbereitung sind wie im Nu verflogen und vor 2 Wochen war es endlich soweit und es ging tatsächlich los nach Tansania. Die Vorbereitung und auch die Besteigung haben mich viel Schweiß, Nerven und auch ein bisschen Geld gekostet. Aber rückblickend kann ich sagen, dass es all das Wert war. Das Gefühl an diesem Berg war einfach genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und es fällt mir wahnsinnig schwer, dies zu beschreiben, einfach weil es unbeschreiblich ist.

      Ich wurde in den letzten Tagen immer wieder gefragt, wie es denn nun war und ob ich Fotos gemacht habe. Daher habe ich mich entschlossen, auch über diesen Gipfelsturm eine kleine Blogreihe zu schreiben, um euch an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Die Fotos sind alle ausschließlich mit der GoPro oder dem Handy entstanden, da ich aufgrund des Gewichts meiner Kamera auf sie verzichtet habe, weil ich einfach nicht wusste, ob ich es irgendwann bereuen würde, sie mitgenommen zu haben. Und ja, ich hätte es bereut. Daher sind die Bilder nicht immer in der 1A Qualität, die ich gewohnt bin, aber wie heißt es so schön: die beste Kamera ist die, die man dabei hat :)

      Aber jetzt einmal der Reihe nach:

      Ich bin nach einer Zitterpartie ob ich überhaupt wie geplant fliegen kann (am Flughafen Hamburg streikte das Bodenpersonal) wohlbehalten in Moshi angekommen und habe noch in der Nacht im Shuttle vom Flughafen direkt die ersten Mitstreiter kennen gelernt. Da es aber wirklich sehr spät war, als wir im Hotel angekommen sind, sind wir direkt gleich schlafen gegangen. Am nächsten Morgen galt der erste Blick natürlich in Richtung Berg, aber leider konnte man den Gipfel nicht sehen, denn zu dieser Jahreszeit liegt der Berg tagsüber sehr lange in Wolken versteckt. Für diesen Moment war dies sehr schade, doch im Laufe des Aufstiegs hat sich dieser Umstand als echter Vorteil erwiesen, denn wo Wolken sind, gibt es Schatten ;) Und am späten Nachmittag riss die Wolkendecke auch auf und legte den Blick auf den Gipfel frei. Man konnte die Vorfreude und Spannung aller im Hotel deutlich spüren, jetzt, wo dieses Ziel auf einmal zu sehen war. Zum Greifen nah und doch immer noch ganz schön weit weg. Ich habe diesen ersten Tag genutzt, um ein bisschen anzukommen und mich vor an das Klima zu gewöhnen. Ich habe das Hotel nicht verlassen und es mir lieber mit frischem Mangosaft am Pool bequem gemacht und entspannt. Am Nachmittag haben wir unsere Guides getroffen und mit ihnen den ersten Tag und alle noch offenen Fragen besprochen.

      Am Morgen des 7.2. ging’s dann endlich los, doch davor gab es noch eine letzte Dusche und ein ordentliches Frühstück. Und endlich habe ich auch Thomas und Thomas aus meiner Gruppe kennen gelernt. Die beiden waren erst in der Nacht angereist und daher am Tag zuvor bei der ersten Besprechung noch nicht da. Wir haben uns trotz einiger Jahre Altersunterschied sofort richtig gut verstanden, und so sollte es auch die ganze Woche über bleiben. Aber das trifft auf alle zu, die ich kennen gelernt habe. Man trifft bei so einem Abenteuer vermutlich genau auf die Menschen, die ähnlich verrückt sind wie man selber. Vermutlich klappt das alles deshalb das so gut ;)

      Mit dem Bus samt unserer Guides und einiger Porter ging’s zum Machame Gate auf 1.800m. Hier wurden wir offiziell registriert und das Gepäck wurde auf die Träger verteilt. Jeder Teilnehmer trägt seinen Tagesrucksack mit Wasser und ein bisschen Essen, einer Fleecejacke, Regenkombi und persönlichen Medikamenten selbst. In meinem Rucksack befinden sich zudem immer noch Handschuhe, ein Erste-Hilfe-Set, ein Biwak-Sack und eine Splintschiene. Der Rest wird von den Trägern nach oben gebracht. Jeder Träger darf 15kg von einem Teilnehmer plus 5kg eigenes Gepäck tragen. Dies wird auch am Eingang zum Nationalpark streng überwacht und gewogen. Es gibt aber pro Person mehrere Träger, weil auch die Zelte, Essen, Gasflaschen und noch sehr viele andere Dinge getragen werden müssen. Wir waren in unserer Gruppe ja nur zu dritt, aber hatten 3 Guides und insgesamt 13 Träger dabei, die uns den Gipfelsturm ermöglicht haben. Wenn man dies bedenkt, ist es ein wahnsinniger Aufwand und ohne diese Menschen wäre es definitiv gar nicht möglich, auch nur annähernd in die Nähe des Gipfels zu kommen. Dennoch beginnt man sich als Europäer direkt zu fragen, ob man das gesamte Prozedere nicht irgendwie vereinfachen und standardisieren kann. Doch der Tourismus am Berg ermöglicht vielen Menschen in der Region einen sicheren Arbeitsplatz und ein festes Einkommen. Daher ist unser europäisches Denken hier komplett fehl am Platz.

      Wir warteten am Gate, bis die Guides alles erledigt hatten und wurden in dieser Stunde zunehmend unruhig. Man hat richtig gemerkt, welches Knistern in der Luft lag und wie aufgeregt alle waren, dass dieses Abenteuer nun endlich begann. Unmittelbar in dem Moment, als wir los gingen und das Eingangstor passiert haben, wurden wir auch direkt damit konfrontiert, was es heißt einen Vulkan zu besteigen, denn wir wurden von einem Mini-Erdbeben überrascht. Ein seltsames Gefühl, von dem sich aber keiner wirklich beirren ließ. Die erste Etappe führte durch den tropischen Regenwald. Es war schwül-warm, aber durchaus in kurzen Wandersachen gut erträglich, da wir durch die hohen Bäume die gesamte Zeit im Schatten gegangen sind. Anfangs war es sehr voll, über 200 Touristen haben sich auf den Weg gemacht. Bei der genannten Größe eines einzelnen Teams war dies schon eine große Anzahl Leute, die sich hier durchschlängelte. Aber die Träger sind alle in einem unglaublichen Tempo vorweg marschiert und auch bei uns hatte es sich nach einer Stunde entzerrt, sodass man gut in den Tritt kam und die wundervolle Natur genießen konnte. Der Weg war gesäumt von riesigen Bäumen und man konnte viele Vögel und auch ein paar Affen sehen. Und auf diesem ersten Weg haben wir auch gleich das wichtigste Wort auf Suaheli gelernt, um diesen Berg zu besteigen: Pole, Pole! Langsam, Langsam! Am Kili neigen insbesondere sportliche Menschen dazu, anfangs viel zu schnell zu gehen, weil es noch einfach ist. Doch über die Zeit gesehen rächt sich dieses Verhalten immens, weil die Kräfte schneller schwinden, sodass wir immer wieder ermahnt wurden, gut haus zu halten und es wirklich langsam angehen zu lassen.

      Wir haben inklusive Trinkpausen und einer Mittagspause 5 Stunden und 15 Minuten ins Machame Camp gebraucht. Und durften uns feierlich dort in ein großes Buch eintragen. Das gibt es in jedem Camp und es ist echt ein tolles Gefühl, wenn man da den eigenen Namen hinzufügt. Denn das heißt die Tagesetappe ist geschafft. Unsere Zelte standen schon aufgebaut bereit und wir wurden von den Trägern mit heißem Tee und Popcorn in Empfang genommen. Nach einer kurzen Pause, in der ich mich in meinem Zelt eingerichtet habe, gab’s auch schon direkt Abendessen und das Briefing für den nächsten Tag. Mit vielen Eindrücken und Emotionen bin ich schon um 9 Uhr direkt in mein Zelt gekrochen hab mich in meinen Schlafsack gekuschelt. Denn es ging morgens immer früh wieder los.

       

      Wie der Aufstieg war, erfahrt ihr hier.

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