Tag 2: Die Tage am Berg beginnen früh. Mit Sonnenaufgang gegen 6 Uhr ist es laut in den Camps. Alle wuseln rum, bereiten sich vor und man hört das Öffnen und Schließen der Reißverschlüsse am Zelt ziemlich deutlich. Aber der Tagesbeginn ist auch immer echt toll, denn da ist wieder jeden Tag diese Vorfreude gewesen, auf das was kommt. Nach dem Frühstück hieß es packen und gegen 8:30 Uhr sind wir los gegangen. An Tag 2 hat sich das erste Mal offenbart, warum die Machame Route auch Whiskey Route genannt wird. Es ging über sehr sehr viele ziemlich hohe Steine größtenteils steil bergauf. Die Natur wandelt sich und schon unmittelbar nach dem Verlassen des Camps wurden die Bäume niedriger, bis sie ganz wichen und die Landschaft von großen Erika Gewächsen dominiert wird. Aber auch diese wurden im Laufe des Tages immer niedriger. Die Etappe hatte einige Passagen, wo man auch schon mal die Hände brauchte um sich abzustützen. Aber es war alles auch mit 10kg auf dem Rücken gut machbar. Wir haben das nächste Camp, das Shira Camp, mittags nach 5 Stunden und 15 Minuten erreicht. Und wurden dort direkt mit einem leckeren Mittagessen empfangen. Denn natürlich waren die Träger und der Koch wieder um ein Vielfaches schneller. Es gab Hühnchen, Pommes, Weißkohl und Tomaten und zum Nachtisch Mango und Bananen. Danach hatten wir ein bisschen Zeit zum Relaxen und wer wollte konnte noch einen kleinen Akklimatisierungsspaziergang machen. Ich habe es vorgezogen im Camp zu bleiben und meine Kräfte zu schonen, denn ich hatte etwas Halsschmerzen und die Befürchtung, dass ich krank werde, was zum Glück nicht der Fall war. Und generell ist es den Camps total interessant, weil man die Zeit hat, auch mit den anderen zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen, denn unterwegs bietet sich dafür wenig Gelegenheit, da braucht man eher seine Puste. Nach einem leckeren Abendessen ging es wieder früh ins Bett.

      Tag 3: Das Ziel des Tages war heute eine optimale Höhenanpassung. Daher sind wir nach dem Frühstück vom Shira Camp aus zum Lava Tower aufgestiegen. Das sind 850 Höhenmeter. Und ich kann sagen, das ist in der mittlerweile erreichten Höhe nicht mehr ohne. Eingeplant waren hierfür 4 Stunden, wir haben ca 4,5 Stunden gebraucht, weil wir ein paar Pausen einlegen mussten und ich auch an der ein oder anderen Stelle in Ruhe ein paar Fotos machen wollte. Allen viel das Atmen zunehmend schwerer und die Gespräche wurden weniger. Eigentlich wollten wir beim Aufstieg den Kilimanjaro Song lernen, der von allen immer wieder gesungen wird. Aber so richtig konnten wir uns nicht darauf konzentrieren, einen Songtext auf Suaheli zu lernen. Vor allem ich hatte das erste Mal Kopfschmerzen aufgrund der Höhe. Am Lava Tower Camp auf 4.600m Höhe wurden wir schon von unserem Koch und einigen Trägern erwartet. Ich hatte so etwas nicht erwartet, aber sie waren tatsächlich an uns vorbei geeilt, um dort ein Zelt zu errichten und uns etwas leckeres zu kochen. Es ist wirklich Wahnsinn, was von den Trägern und Guides an diesem Berg geleistet wird. Ich habe größten Respekt vor diesen Menschen, es sind für mich die wahren Helden dieses Abenteuers. Zu Essen gab es einen Schmorrtopf mit Hühnchen, Kochbananen und Gemüse. Dazu Mangos und Avocados. Ich hatte zuvor viel über die Höhe gelesen und überall steht, dass man an Appetitlosigkeit leidet. Das kann ich nicht bestätigen. Und dazu war das Essen auch einfach viel zu gut. Frisch gestärkt ging es dann an den Abstieg zum Baranco Camp auf 3.900m Höhe. Denn der Sinn der Akklimatisierung ist tagsüber hoch zu steigen und nachts tief zu schlafen. In den 2 Stunden mit wenigen Tropfen Regen sind wir wieder Schritt für Schritt der Vegetation näher gekommen. Im Camp stand natürlich schon wieder alles bereit und wir wurden mit heißem Tee und Popcorn empfangen. Das ist hier der typische Nachmittagssnack. Abends ging’s wieder zeitig ins Bett, wir waren alle recht müde und haben gemerkt, wie stark der Körper arbeitet, um sich an die Höhe anzupassen. Und so hab ich mit kurzen Unterbrechungen auch fast 9 Stunden geschlafen.

      Der vierte Tag startete für unsere Gruppe etwas später. Denn auf der Machame Route gibt es 2 Möglichkeiten für die nächsten 2 Camps. Wenn man die schnelle Variante wählt, geht man bis mittags zum Karanga Camp und dann nachmittags weiter hoch bis Barafu. Ich hatte mich dafür entschieden dies auf 2 Tage aufzuteilen. So hat man eine bessere Höhenanpassung und schont die Kräfte für die Gipfeletappe. Rückblickend kann ich sagen, dass das in der Vorbereitung eine der besten Entscheidungen war, die ich getroffen habe und auch andere haben gesagt, dass sie im Nachhinein lieber diese Variante hätten wählen sollen. Wir sind als eine der letzten um 9 Uhr zur Barranco Wall gestartet. Auf den Fotos sieht man nicht so richtig wie dieser Abschnitt wirklich ist, aber zum ersten Mal hieß es Klettern. Ich hab mich total gefreut und der Teil hat riesigen Spaß gemacht. Aber auf 4.000m Höhe und mit einem 10kg Rucksack auf dem Rücken ist dies dezent schwerer als in der Kletterhalle hier in Hamburg😊 Wir haben uns aber ziemlich gut geschlagen und oben angekommen einem grandiosen Ausblick genossen. Und weil unsere Tagesetappe kurz war,  konnten wir uns auch richtig Zeit lassen die Natur zu bewundern und viele Fotos machen.

      Nach der kleinen Pause ging es noch 2,5 Stunden weiter bis zum Camp. Man konnte es auch schon recht schnell sehen, doch man hat auch noch etwas anderes erkannt: eine große Schlucht zwischen dem Ziel und uns. Es ging also erst mal ca. 300 Höhenmeter wieder steil bergab, um sie direkt wieder hoch zu gehen. Oben angekommen hat das Team schon wieder mit dem Essen gewartet. Und am Nachmittag war erst mal Zeit zum entspannen und Sonne genießen. Gegen 5 sind wir noch mal 120m auf- und abgestiegen, um wieder etwas mehr Anpassung an die Höhe zu bekommen.

      Leider mussten die ersten aus anderen Gruppen auch bereits hier den Abstieg antreten, da sie die Höhenkrankheit bekommen haben.

      Auch der fünfte Tag begann noch einmal etwas entspannt, da wir durch den extra Tag ja auch hier wieder nur die halbe Strecke zurücklegen mussten. Der erste Aufstieg war dafür auch direkt ziemlich knackig. Es ging 400m steil über Geröll nach oben. Dafür war das Wetter auf diesem Teil besonders toll und wir konnten einen fantastischen Ausblick auf den Gipfel genießen. In der Höhe hat auch die Sonne jetzt gar nicht mehr gestört, da es hier schon ziemlich kalt war. In der Sonne war es mit einem dünnen Shirt gut auszuhalten. Nachdem der Anstieg überstanden war, ging es kurz bergab. Ich hab die Zeit in der ich wieder sprechen konnte genutzt, um von unserem Guide etwas mehr über das Leben an Berg zu erfahren. Alphan ist schon über 150 Mal auf dem Gipfel gewesen und kennt jeden Stein auf dem Weg nach oben. Und davon gab es auf dieser Höhe reichlich, denn mittlerweile hatten wir jegliche Vegetation hinter uns gelassen. Nach dieser kurzen Verschnaufpause stand uns ein knackiger Endspurt ins Barafu Camp bevor. Das Camp war sehr lang gezogen, da es kaum ebene Flächen gab, um die Zelte vernünftig zu befestigen. Wir hatten unseren Platz fast am Ende des Camps und ich hatte das Gefühl, dass es sich endlos zog, bis ich mein Zelt erreicht hatte.

      Dort angekommen konnten wir die ersten bekannten Gesichter beglückwünschen. Einige, mit denen wir zusammen gestartet sind, hatten den einen Tag weniger gewählt und waren gerade erschöpft aber glücklich vom Gipfel zurück gekehrt. Aber leider gab es auch eine sehr schlimme Nachricht, die die gesamte Mannschaft tief getroffen hat: einer der Teilnehmer, mit denen wir gestartet sind, hat leider einen Schwächeanfall erlitten und ist beim Abstieg vom Gipfel verstorben. Auch wenn ich Robert nur ein paar Tage kannte und wir nur ein paar Worte auf den einzelnen Etappen gewechselt hatten, so hat mich diese Nachricht doch wirklich erschüttert. Diese Zeit am Berg und das gemeinsame Abenteuer schweißt unglaublich zusammen und auch, wenn einem die Gefahr durch Hinweisschilder immer wieder vor Augen geführt wird und man natürlich über die Höhenkrankheit und ihre Symptome viel gelesen hat, so ist man darauf mental nicht vorbereitet, dass so etwas wirklich passiert. Unsere Guides haben uns an dem Abend zig mal gefragt wie es uns geht, ob wir Kopfschmerzen haben oder uns übel wird. Aber wir konnten alle 3 sagen, dass wir die Höhe zwar deutlich spürten, aber es uns körperlich wirklich gut ging. Ich hatte auf dieser Reise auch einen Pulsoxymeter in der Tasche, mit dem ich regelmäßig meine Sauerstoffsättigung überprüft habe. Zu diesem Zeitpunkt lag der Wert immer noch bei 85-90%, was in Anbetracht dieser Höhe wirklich gut ist.

      Und dann ging’s los zum Gipfel.

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