Wir sind abends um 18 Uhr schlafen gegangen, um vor dem Sturm auf den Gipfel wenigstens ein bisschen Energie zu tanken. Doch geklappt hat das bei keinem, denn es war viel zu früh und wir waren aufgeregt. Noch dazu haben die Ereignisse des Tages ihr Übriges getan, dass wir kein Auge zu gemacht haben. Und so sind wir ohne Schlaf um 23 Uhr wieder aufgestanden. Als kleine Stärkung gab es Tee, Popcorn und Kekse. Und dann ging es los. Der eigentliche Aufstieg auf den Gipfel des Kilimanjaro, auf den wir die letzten 5 Tage hingearbeitet hatten, lag vor uns.

Es war dunkel und kalt. Ich habe am Oberkörper 5 Schichten Kleidung getragen und an den Beinen 3. Dazu Sturmhaube, Mütze und Kapuze sowie 2 Paar Handschuhe. Im Camp waren es vielleicht nur wenige Grad unter Null, aber da der Berg komplett freistehend ist, war es sehr windig und die gefühlte Temperatur lag deutlich darunter.

Auf geht’s Richtung Gipfel

Mit unseren Kopflampen ausgestattet haben wir uns um Mitternacht in den Treck der Glühwürmchen eingereiht, der sich Pole Pole (langsam, langsam) den Berg hochschob. Mit dem Wind war es wirklich unfassbar kalt und jeder Schritt in der dünnen Luft eine echte Herausforderung. Wir haben nach ca. 1 Stunde die erste Trinkpause gemacht. Damit das Wasser nicht einfriert, musste der Schlauch des Trinksystems in dieser Nacht leider in den Rucksack, was bedeutete, dass man ihn jedes Mal absetzen musste, um zu trinken. Für mich war das wirklich schwer, da ich eigentlich gern häufiger kleine Mengen trinke und mich hier sehr umstellen musste.

Der Blick auf den Höhenmesser hat verraten, dass gerade mal 200 von insgesamt 1.250 Höhenmetern geschafft waren. Und viel Zeit zum Ausruhen blieb auch nicht, sondern es ging schnell weiter, da es sonst mit dem Wind zu kalt wurde. Die nächsten kleinen Etappen waren kürzer, denn vor allem ich brauchte mehr Pausen, um mich kurz zu erholen, zu trinken und zu essen.

Zweifel

Nach ca. 3 Stunden war ich ziemlich erledigt. Ich war einfach nur müde und meine Beine waren zum ersten Mal auf dieser Reise weich wie Pudding. Ich habe mich selber für einen kurzen Moment gefragt, ob ich das eigentlich wirklich bis zum Ende schaffen will. Denn ich wusste, dass wir noch 4-5 Stunden vor uns hatten. 3 davon in absoluter Dunkelheit. Aber wir waren ein echt tolles Team und haben uns in diesen Momenten gegenseitig motiviert weiter zu machen. An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Thomas und Thomas. Wir kannten uns erst seit 5 Tagen und haben doch bei diesem Aufstieg so perfekt harmoniert.

Nach der nächsten Trinkpause habe ich dankend die Einladung von Alphan angenommen, meinen Rucksack zu tragen. Die Tage zuvor hatte ich dies immer abgelehnt, da ich es selber schaffen wollte. Aber es ging nicht. Und ich wusste jetzt auch, warum unsere 3 Guides all ihre Sachen in nur einen Rucksack gequetscht hatten 😊

Ein kleiner Streifen am Horizont

Kurz vor 6 Uhr könnte man einen winzig kleinen hellen Streifen am Horizont entdecken, der erahnen ließ, dass irgendwann die Sonne aufgehen würde. Und ab diesem Zeitpunkt fand ich es mental deutlich leichter. Es war zwar dennoch jeder Schritt schwer, aber ich wusste wieder ganz genau, warum ich das machte. Und dann ging es auch recht schnell, denn in Afrika dämmert es nicht so lange, wie hier bei uns in Europa und wir wurden mit einem traumhaften Sonnenaufgang begrüßt. In dem Moment hätte ich gern meine richtige Kamera dabei gehabt, aber die Entscheidung dieses Gewicht nicht zu tragen, war genau richtig.

Kilimanjaro Sonnenaufgang

Stella Point – der kleine Gipfel

Gegen 6:45 Uhr haben wir Stella Point erreicht, den kleinen und ersten Gipfel auf unserer Tour. Wir haben uns so doll gefreut, dass man dies nicht in Worte fassen kann. Auch hier steht schon so ein Schild und der Berg gilt offiziell als geschafft. Natürlich haben wir erst mal in Ruhe Fotos gemacht und alle zusammen das berühmte Kilimanjaro Lied gesungen. Aber es war schnell klar, dass uns der kleine Gipfel nicht reichte, wir wollten alle 3 ganz oben stehen. Also ging es nach einer kurzen Rast noch einmal 150m weiter nach oben. Dieser letzte Kilometer zog sich wie Kaugummi und jeder Schritt war unfassbar schwer. Aber es ging mir soweit gut und ich hatte den festen Willen, dies zu schaffen.

Kilimanjaro Gipfel - wir stehen am Stella Point

Uhuru Peak – der große Gipfel

Um 8:20 Uhr standen wir dann vor „dem Schild“. Seit 16 Jahren hatte ich von diesem Moment geträumt und ein Bild dieses Schildes hängt nicht nur seit längerer Zeit an meiner Wohnzimmerwand, sondern ist auch der Hintergrund meines Handys. Der Moment den Uhuru Peak, das Dach Afrikas, zu erreichen war wirklich sehr emotional für mich und es sind einige Tränen geflossen. Ich kann dieses Gefühl überhaupt nicht in Worte fassen. Ich war – und bin es immer noch – so unglaublich stolz auf mich und so dankbar, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte.

Wir haben natürlich viele Fotos und Videos auf dem Gipfel gemacht und auch noch einmal gemeinsam unser Lied gesungen. Aber es ging auch recht schnell wieder in Richtung Abstieg, denn es waren mit dem Wind wirklich gefühlte -20 Grad dort oben.

Panoramabild Kilimanjaro Gipfel

Der Abstieg

Der Abstieg vom Gipfel führte uns erst mal auf dem gleichen Weg zurück zum Stella Point und von dort über einen alternativen Weg zurück zum Barafu Camp. Man konnte das Camp fast von oben sehen, aber es dauerte mehr als 2 Stunden, bis wir dort waren. Der Weg bestand eigentlich nur aus kleinem Geröll, sodass wir alle ziemlich gerutscht sind, weil die Kräfte am Ende waren. Aber mithilfe der Wanderstöcke sind wir schnell in ein doch recht kontrolliertes Rutschen übergegangen und heil unten angekommen. Im Camp wurden wir von den Trägern empfangen und beglückwünscht. Sie haben sich wirklich richtig gefreut zu hören, dass wir es alle 3 zum Gipfel geschafft hatten. Das ist schön zu sehen, dass jemand seinen Job genauso liebt, wie ich meinen und wirklich mit Herzblut bei der Sache ist.

Nach einer kurzen Pause ging der Abstieg weiter. Und ich habe natürlich alles in einem Video zusammen geschnitten.

An dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön an das Team von Zara, das mir die Erfüllung dieses Traums möglich gemacht hat.

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