Ich bin bis letzte Woche noch nie in meinem Leben gewandert. Aber da einer der größten Träume meines Lebens die Besteigung des Kilimandscharo ist, wollte ich es zumindest vorab einmal ausprobieren. Und vielleicht etwas naiv habe ich mir gedacht, dass ich dann doch mal mit einer Alpenüberquerung starten könnte. Schließlich trainiere ich sehr viel, bin gerade erst einen Marathon gelaufen und echt fit. Gesagt, getan, auf ging’s nach Oberstdorf. Und von dort auf dem E5 bis nach Meran.

Ursprünglich wollte ich die Tour gemeinsam mit einer guten Freundin machen. Doch leider hat das bei uns beiden mit den Urlaub zur gleichen Zeit nicht geklappt. Ich war durch meine Arbeit als Hochzeitsfotograf ziemlich eingeschränkt, weil ich jetzt im Sommer sehr viele Buchungen habe und nur der August für mich in Frage kam. Da ich nicht allein gehen wollte (das hab ich mir dann doch nicht zugetraut), habe ich ziemlich kurzfristig bei der Alpinschule Oberstdorf eine Tour gebucht. Und rückblickend kann ich sagen, dass das die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte, denn aufgrund meiner zahlreichen Hochzeiten und anderen Shootings hatte ich mich überhaupt nicht damit beschäftigt, was auf mich zukommt, wo die Tour überhaupt lang führt und welches Gelände mich erwartet. Ich hatte nur gelesen, dass es konditionell und von der Technik die mittlere Schwierigkeit war und dachte mir, dass das schon gehen wird. Ich bin sehr froh, dass ich mit Marcus einen erfahrenen Bergwanderführer an meiner Seite hatte, der dem Mädel von der Küste sicher über die Berge geholfen hat ;)

Voller Vorfreude startete ich also von meinem Hotel in Oberstdorf bis zur Alpinschule. Dort hab ich erst mal die 10 weiteren Teilnehmer unserer Gruppe getroffen. Und alle waren in der gleichen freudigen Stimmung wie ich. Marcus hat uns schon erwartet und als erstes das Gepäck gecheckt. Ich wusste natürlich, dass mein Rucksack viel zu schwer war und wir haben viel über den Inhalt diskutiert. Eigentlich hatte ich nur eingepackt was auf der Packliste stand. Allerdings hatte ich nicht darauf geachtet, dass es auf jedes Gramm ankommt und somit einzelne Dinge auch in leichteren Ausführungen zu haben gewesen wären. Der größte Diskussionspunkt war natürlich die Kamera. Aber stur wie ich bin, habe ich natürlich meinen Kopf durchgesetzt und diese als wichtigsten Gegenstand mit genommen. Das ist bei Fotografen vermutlich so eine Berufskrankheit, ohne Kamera wäre ich vermutlich erst gar nicht los gegangen.

Nach dem Gepäckcheck sind wir gestartet. Erst einmal mit dem Bus raus aus der Stadt zu unserem Startpunkt nach Spielmannsau. Dort ist die Talstation der Materialseilbahn für die Kemptner Hütte. Und beim Wandern mit einer Alpinschule hat man den großen Vorteil, dass man einen Teil seines Gepäcks damit auf den Gipfel schicken darf. Getragen haben wir also nur das nötigste: Getränke, Regenjacken und unsere Wertsachen. Bei ziemlich hohen Temperaturen nahmen wir also den ersten Anstieg zur Kemptner Hütte auf 1.844m in Angriff. Das waren 900 Höhenmeter im Aufstieg, vom Weg und der Technik ziemlich leicht, aber die pralle Sonne hat uns alle ziemlich ins Schwitzen gebracht. Dennoch waren wir fast in der vorgegebenen Zeit auf dem Berg. Oben angekommen sind wir ziemlich erschöpft, aber voller Stolz, dass wir es geschafft hatten, auf die Bänke vor der Hütte gefallen,. Das war sie also, die leichte erste Etappe zur Einstimmung. Und ich habe so langsam geahnt, was da noch so auf mich zukommt. Es war auch meine erste Nacht auf einer Hütte, spartanisch, aber richtig cool. Es gab sogar warmes Wasser zum Duschen, aber nur mit Marken und dann für genau 4 Minuten. Und warm ist auch so eine Definitionssache. ;)

Wir haben richtig gut zu Abend gegessen und sind sogar noch vor der Hüttenruhe zu Bett gegangen. Denn am nächsten Morgen ging’s früh raus.